Vertrauen in einen „Leader mit Herz“

05.07.2019

Vertrauen in einen „Leader mit Herz“
Das Potential eines jeden Menschen liegt in seinen Stärken


Ein menschenorientierter Führungsstil geht mit der einfachen Erkenntnis einher, dass der Wandel nur mit den Menschen vollzogen werden kann. Veränderung macht unsicher und erzeugt Ängste. Man verlässt die gewohnte Sicherheit und damit die Komfortzone. Will man den Wandel erfolgreich gestalten, dann müssen die Mitarbeitenden glaubwürdig abgeholt werden. Bei all ihren Sorgen, Ängsten, Vorbehalten und ihrem Widerstand. Gelingt es, die dahinter steckenden Bedürfnisse zu erkennen und soweit möglich zu berücksichtigen, ist die Chance hoch, dass der Wandel gemeinsam mit den Mitarbeitenden erfolgreich gelingt. Da der digitale Wandel alle Branchen und Arbeitsbereiche betrifft, wird menschenorientierte Führung wohl mehr und mehr eine Basis für erfolgreiche Führung und Wandel werden.


Den Mitarbeitenden als Menschen im Blick

Um als „Leader mit Herz“ seine Mitarbeitenden auch durch Zeiten der Instabilität und Unsicherheit gesund zu führen, ist meiner Ansicht nach Vertrauen der Schlüssel. Ich kann mich auf meine Führungskraft verlassen. Bei allen sachlich bedingten Notwendigkeiten behält die Führungskraft den Mitarbeitenden als Menschen im Blick – mit seinen Gefühlen und Bedürfnissen. Wenn dieses Vertrauen in einen „Leader mit Herz“ gegeben ist, gibt das enorme Sicherheit und ist eine große Hilfe in Zeiten der Instabilität und Unsicherheit. Der Mensch ist für die Führungskraft wichtig, wird wahrgenommen und ernst genommen.


Das eigene Ich stärken

Durch das bewusste Wahrnehmen lassen sich das eigene Ich und das Ich jedes Mitarbeiters erst einmal stärken. Sich selbst Fragen stellen: Warum fühlt sich diese Situation gerade nicht so gut an? Was steckt dahinter? Was brauche ich? Was kann ich oder ein anderer tun, damit mein Bedürfnis erfüllt wird? Wenn man diesen Prozess innerlich durchlaufen kann, dann hat man schon sehr viel Selbstverantwortung und Stärkung des eigenen Ich´s erreicht. Ich werde handlungsfähig und habe nicht das Gefühl in wiederkehrenden „täglich-grüßt-das-Murmeltier-Schleifen“ festzuhängen. Dies gilt für Vorgesetze und Mitarbeitende gleichermaßen.

Ein weiterer Ansatz liegt darin, die Stärken zu stärken. Den Fokus weg von den Defiziten hin zu den Stärken zu lenken. Dort liegt das Potential eines jeden Menschen. Das ist gar nicht selbstverständlich, weil wir in einer Welt der Defizitorientierung schon von der Schulzeit an aufwachsen. Eine erfolgreiche Führungskraft erkennt die Stärken seiner Mitarbeitenden und hilft ihnen diese erfolgreich in ihrer Arbeit zu entfalten. Gallup hat das eindrucksvoll empirisch belegt.

Wenn ich es grundsätzlich als Führungskraft schaffe, die Selbstverantwortung, Beteiligungsmöglichkeiten und die Autonomie der Mitarbeitenden zu stärken, dann entsteht auch viel weniger der Eindruck, einer Situation, bzw. dem Wandel ausgeliefert zu sein.

Nicht zuletzt gilt es, sich zu fragen, was der veränderbare Rahmen ist. Was kann ich beeinflussen bzw. ändern? Ich kann mich trefflich über das Wetter oder die DSGVO oder die neue Strategie des Geschäftsführers aufregen. Deshalb werde ich normalerweise aber nichts daran ändern können. Das ist verschwendete Lebensenergie. Wenn ich es nicht ändern kann, sollte ich mich fragen, ob ich es annehmen kann. Wenn nicht, bleibt mir noch die Möglichkeit es zu lassen. Wir haben die Wahl.  


Mitarbeitende wertschätzen

Den Menschen im Blick zu behalten, aufmerksam zu sein und ein offenes Ohr zu haben, ist eine Grundlage, dass Mitarbeitende sich wertgeschätzt fühlen. Anerkennung ist auch sehr wichtig. Ein Lob, das ausdrückt, was die Handlung des anderen mit mir gemacht und wie sie mir tatsächlich geholfen hat, ist eine sehr starke Anerkennung. Außerdem ist es auch hilfreich zu fragen oder herauszufinden, welche Form der Anerkennung meinem Gegenüber liegt. Das kann durchaus unterschiedlich sein. Manche Menschen mögen es zum Beispiel nicht, öffentlich vor der ganzen Mannschaft gelobt zu werden. Es ist ihnen unangenehm. Da wäre eine Anerkennung im Einzelgespräch zielführender.

 

Über den Autor: Der Diplom-Betriebswirt Thomas Fremdt ist Geschäftsführer des VSA Mittelbaden mit Sitz in Bretten – ein Dienstleister für Verwaltungsaufgaben im kirchlichen Bereich. Am Kongress Christlicher Führungskräfte 2019 in Karlsruhe hat er an einem Seminar von Dr. Peter Becker über „Leader mit Herz“ (transformationaler Führungsstil) teilgenommen. Am Executive Health Day, der am 11./12. November 2019, stattfindet, wird Dr. Peter Becker auf das Thema „Führungskraft 4.0: Neues Denken und Handeln in der Arbeitswelt 4.0“ eingehen.